Countertime

Concerto

Choreografie von Kenneth MacMillan

Von 5. September 2025 bis 14. September 2025

  • Weitere Informationen:
    Werkeinführung jeweils 45 Min. vor Vorstellungsbeginn.

Choreografie:
Kenneth MacMillan

Kenneth MacMillan

Kenneth MacMillan war der führende Ballettchoreograf seiner Generation. Als Direktor des Balletts der Deutschen Oper Berlin, Chefchoreograf und Direktor des Royal Ballet London sowie Stellvertretender Direktor des American Ballet Theatre schrieb er Tanzgeschichte. Kaum ein Choreograf des 20. Jahrhunderts schuf solch eine Anzahl abendfüllender Werke, seine Versionen von Romeo und Julia (1965) und Manon (1974) entwickelten sich zu Klassikern und werden noch heute weltweit interpretiert. Es ist der Glaube an eine klassische Ausbildung, verknüpft mit einer starken Theatralik und einer tiefen moralischen Sensibilität, die das Ballett in seinen Händen nicht zu einer Märchen-Kunst, sondern zu einem einzigartigen Spiegel menschlicher Zerbrechlichkeit verwandelt.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025
Musikalische Leitung:
Jonathan Lo

Jonathan Lo

Der in Hongkong geborene Brite Jonathan Lo ist Musikalischer Leiter des Northern Ballet, des Australian Ballet und der New Bristol Sinfonia sowie Staff Conductor des Royal Ballet, London. Von 2015-2019 war er Erster ständiger Gastdirigent des Xi’an Symphony Orchestra und musikalischer Leiter des Manchester Chamber Choir. Seine musikalische Ausbildung erhielt er an der University of Oxford und am Royal Northern College of Music. Anschliessend war er Mitglied des Jette Parker Young Artist Programme am ROH London und BBC Performing Arts Conducting Fellow beim Birmingham Royal Ballet und der Rambert Dance Company. Engagements führten ihn zu Orchestern wie dem BBC Philharmonic, London Sinfonietta, Manchester Camerata, Gabrieli Consort, Danish National Symphony Orchestra, Orchestra of the Royal Opera House und Royal Ballet Sinfonia. Sein Debüt am Royal Opera House London gab er mit dem dreiteiligen Ballettabend Within the Golden Hour / Medusa / Flight Pattern mit Choreografien von Christopher Wheeldon, Sidi Larbi Cherkaoui und Crystal Pite, welcher weltweit live übertragen und auf DVD aufgezeichnet wurde. Nachdem er beim Northern Ballet für die Uraufführung von Cathy Marstons Victoria gastiert hatte, wurde er dort als Musikalischer Leiter engagiert. Ausserdem arbeitet er regelmässig mit dem Dutch National Ballet und dem Scottish Ballet zusammen.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025
Musik:
Dmitri Schostakowitsch
Bühnenbild und Kostüm:
Jürgen Rose

Jürgen Rose

Jürgen Rose wurde in Bernburg/Saale geboren und studierte an der Akademie der Bildenden Künste Berlin sowie an der dortigen Schauspielschule von Marlise Ludwig. 1959/60 erhielt er ein erstes Engagement als Bühnen- und Kostümbildner sowie als Schauspieler an den Städtischen Bühnen Ulm. Von 1961 bis 2001 war er als Kostüm- und Bühnenbildner an den Münchner Kammerspielen tätig. Es folgten Ausstattungen für über 350 Stücke in den Bereichen Ballett, Schauspiel, Oper und Operette u.a. in Hamburg, Stuttgart, Berlin, München, Wien, London, Paris, Mailand und New York sowie bei den Bayreuther und Salzburger Festspielen. Eine enge Zusammenarbeit verband ihn mit dem Choreographen John Cranko für Produktionen wie Romeo und Julia, Schwanensee, Der Feuervogel, Onegin, Poème de l’extase und Spuren. Ein weiterer wichtiger Partner ist John Neumeier, für den er u.a. die Bühnen- und Kostümdesigns für Daphnis und Chloë, Der Nussknacker, Illusionen – Wie Schwanensee, Ein Sommernachtstraum, Dornröschen, Die Kameliendame, Peer Gynt und A Cinderella Story kreierte. Zu seinen jüngsten Arbeiten für das Stuttgarter Ballett zählen eine neue Ausstattung für Kenneth MacMillans Mayerling sowie 2022 das Bühnen- und Kostümbild für Edward Clugs Der Nussknacker. Seit 1996 erarbeitete Jürgen Rose zudem als Regisseur auch eigene Operninszenierungen, darunter Werther, Norma, Don Carlo und Das schlaue Füchslein an der Bayerischen Staatsoper. 2015 wurde eine Auswahl aus Jürgen Roses Gesamtwerk in einer Doppelausstellung des Deutschen Theatermuseums und der Bayerischen Akademie der Schönen Künste präsentiert. Von 1973 bis 2000 unterrichte er als Professor für Bühnenbild an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025
Lichtgestaltung:
John B. Read

Besetzung


1. Satz Allegro Nancy Osbaldeston


Charles-Louis Yoshiyama


2. Satz Andante Max Richter


Brandon Lawrence

3.Satz Allegro Ayaha Tsunaki


Klavier Kateryna Tereshchenko


1. Satz Allegro Nancy Osbaldeston


Charles-Louis Yoshiyama


2. Satz Andante Max Richter


Brandon Lawrence

3.Satz Allegro Ayaha Tsunaki


Klavier Kateryna Tereshchenko


1. Satz Allegro McKhayla Pettingill


Sean Bates


2. Satz Andante Daniela Gómez Pérez


Joel Woellner

3.Satz Allegro Ayaha Tsunaki


Klavier Kateryna Tereshchenko


1. Satz Allegro McKhayla Pettingill


Sean Bates


2. Satz Andante Daniela Gómez Pérez


Joel Woellner

3.Satz Allegro Ayaha Tsunaki


Klavier Kateryna Tereshchenko


1. Satz Allegro Nancy Osbaldeston


Charles-Louis Yoshiyama


2. Satz Andante Max Richter


Brandon Lawrence

3.Satz Allegro Ayaha Tsunaki


Klavier Kateryna Tereshchenko

Nancy Osbaldeston

Nancy Osbaldeston hat die belgische und die britische Staatsbürgerschaft. Ihre Tanzausbildung absolvierte sie an der English National Ballet School in London. 2008 wurde sie ins English National Ballet aufgenommen, wo sie 2013 mit dem «Emerging Dance Award» ausgezeichnet wurde. 2014 wechselte sie als Halbsolistin an das Royal Ballet of Flanders, 2016 wurde sie dort zur Solistin und 2017 zur Ersten Solistin ernannt. Sie tanzte Hauptrollen in Choreografien von Yuri Grigorovich (Aegina in Spartacus), John Neumeier (Marie in Der Nussknacker), Akram Khan (Giselle), Kader Belarbi (Kitri in Don Quixote), Demis Volpi (Clara in Der Nussknacker), John Cranko (Olga in Onegin), Jean-Christophe Maillot (Marguerite in Faust), Pina Bausch (Café Müller) und Sidi Larbi Cherkaoui. Regelmässig war sie als Gast beim Bayerischen Staatsballett in München zu erleben. Seit der Saison 2024/25 ist sie Erste Solistin des Balletts Zürich.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025

Charles-Louis Yoshiyama

Charles-Louis Yoshiyama hat die japanische und die französische Staatsbürgerschaft. Seine Tanzausbildung erhielt er am Trinity College in London und an der English Ballet School. 2007 wurde er Mitglied des Houston Ballet, 2016 wurde er zum Principal Dancer ernannt. Wichtige Rollen waren Kronprinz Rudolf in Mayerling und De Grieux in Manon von Kenneth MacMillan sowie Oberon in John Neumeiers Sommernachtstraum. Ausserdem tanzte er in L’Arlésienne von Roland Petit und zahlreichen Werken von George Balanchine. In Choreografien von Ben Stevenson verkörperte er Basilio (Don Quixote), Prinz Florimund (Sleeping Beauty), Franz (Coppélia), Mercutio (Romeo und Julia) und Prinz (Der Nussknacker). In Choreografien von Stanton Welch war er Siegfried (Schwanensee), Solar (La Bayadère) und Albrecht (Giselle). In John Crankos The Taming of the Shrew tanzte er Lucentio und Hortensio. 2023 war Charles-Louis Yoshiyama Principal Dancer des Oregon Ballet Theatre. Seit der Saison 2023/24 ist er Erster Solist des Balletts Zürich.

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McKhayla Pettingill

McKhayla Pettingill ist Filipino-Amerikanerin. Ihre Ballettausbildung erhielt sie an der Houston Ballet Academy. Im Houston Ballet tanzte sie in Choreografien von Jerome Robbins, Stanton Welch, James Kudelka, Disha Zang, John Neumeier und George Balanchine. Beim National Ballet of Canada war sie in Choreografien von Crystal Pite, David Dawson und Kenneth MacMillan zu erleben. Seit der Spielzeit 2023/24 ist sie Mitglied des Balletts Zürich. U.a. war sie als Lola in Cathy Marstons Atonement sowie in Choreografien von Wayne McGregor und Christian Spuck zu sehen.

Countertime7 / 14 Sept. 2025

Sean Bates

Sean Bates stammt aus Grossbritannien und studierte an der Royal Ballet School. 2009 gewann er den 2. Preis beim Young British Dancer of the Year, 2010 erhielt er den RBS Ursula Moreton Choreographic Award. Von 2012 bis 2023 war er im Northern Ballet in Leeds engagiert und dort in zahlreichen Hauptrollen zu erleben, so in Cathy Marstons Jane Eyre und Victoria, David Nixons The Great Gatsby, A Midsummer Night’s Dream, Cinderella, Dracula, Madame Butterfly, Wuthering Heights, The Nutcracker, The Little Mermaid und The Three Musketeers. Ausserdem tanzte er in Choreografien von Kenneth MacMillan, Jean-Christophe Maillot, Liam Scarlett, Lar Lubovitch, Christopher Hampson und Mark Godden. Seit der Saison 2023/24 ist Sean Bates Mitglied des Balletts Zürich.

Countertime7 / 14 Sept. 2025

Max Richter

Max Richter stammt aus den USA und absolvierte die Ballettausbildung an der International City School of Ballet und beim Houston Ballet II. Bei der USA International Ballet Competition 2014 erhielt Max die Silbermedaille. Wichtige Rollen während des Engagaments beim Houston Ballet waren Angel in Cathy Marstons Summer and Smoke, Odette/Odile in Stanton Welchs Schwanensee sowie Solopartien in Balletten von Ben Stevenson, Arthur Pita und Aszure Barton. Seit der Saison 2023/24 ist Max Richter Mitglied des Balletts Zürich.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025

Brandon Lawrence

Brandon Lawrence stammt aus Grossbritannien. Seine Ballettausbildung erhielt er an der Royal Ballet School. Er wurde mit dem Phyllis Bedells Award ausgezeichnet und war mehrfach als bester klassischer Tänzer bei den britischen National Dance Awards nominiert. Von 2011 bis 2023 tanzte er im Birmingham Royal Ballet, seit 2019 als Principal Dancer. Wichtige Rollen waren Prinz (Nussknacker), Franz (Coppélia), Prinz Florimund (Dornröschen), Prinz Siegfried (Schwanensee) in Choreografien von Peter Wright, Romeo in Kenneth MacMillans Romeo und Julia, Colas in Frederick Ashtons La Fille mal gardée, Prinz (Cinderella), Beast (The Beauty and the Beast), Albrecht (Giselle) und Otello (Shakespeare Suite) in Choreografien von David Bintley. Ausserdem war er in Stücken von Carlos Acosta, Edward Clug, Jiří Kylián, Juliano Nunes, Twyla Tharp und Uwe Scholz zu erleben. 2022 war er Principal Guest Artist beim Cape Town City Ballet. Seit der Saison 2023/24 ist Brandon Lawrence Erster Solist des Balletts Zürich und tanzte in Choreografien von Cathy Marston (Robbie in Atonement; The Cellist; Snowblind), Marco Goecke (Diaghilev in Nijinski), Wayne McGregor, Bronislava Nijinska, Mthuthuzeli November, Jerome Robbins und Christian Spuck.

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Daniela Gómez Pérez

Daniela Gómez Pérez stammt aus Kuba. Sie studierte an der Fernando Alonso National Ballet School und am Instituto Superior de Arte de Cuba. Von 2015 bis 2023 war sie Principal Dancer beim Kubanischen Nationalballett. Unter Leitung von Alicia Alonso tanzte sie Hauptrollen in Coppélia, Giselle, Schwanensee und Der Nussknacker. Ausserdem war sie in Choreografien von Peter Quanz, Brian McDonald, George Balanchine, Annabelle Lopez Ochoa, Cathy Marston, Ricardo Amarante, Alexei Ratmansky, Uwe Scholz, Ben Stevenson, Michail Fokine und Gemma Bond zu erleben. Für ihre Interpretation von Daniel Proiettos Cigne erhielt sie den Eintrag ins Goldene Buch des Gran Teatro de La Habana. Seit der Spielzeit 2023/24 ist sie Mitglied des Balletts Zürich.

Countertime7 / 14 Sept. 2025

Joel Woellner

Joel Woellner ist Australier. Er absolvierte seine Ausbildung an der Ben Stevenson Academy des Houston Ballet und im Houston Ballet II. 2013 war er zweifacher Preisträger beim Prix de Lausanne. Nach einem Engagement im Houston Ballet war er von 2015 bis 2024 Erster Solist im Queensland Ballet. Joel Woellner tanzte Des Grieux in Manon von Kenneth MacMillan, Valmont in Dangerous Liasons von Liam Scarlett, Oberon in Scarletts Sommernachtstraum, Prinz Ivan in Scarletts Feuervogel sowie in Choreografien von Ben Stevenson, Harald Lander, Greg Horsman, Christopher Bruce und Jiří Kylián. Seit der Saison 2024/25 ist er Mitglied des Balletts Zürich.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025

Kateryna Tereshchenko

Kateryna Tereshchenko wurde in der Ukraine geboren. Sie studierte bei B. Fedorov an der Kiewer Lysenko-Musikschule und von 2007 bis 2009 bei Konstantin Scherbakov an der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK (Master Specialized Musik Performance – Solistin). Von 2011 bis 2013 war sie Masterstudentin bei Ulrich Koella (Master Specialized Musik Performance – Kammermusik und Lied). 2011 und 2012 wurde sie mit dem Studienpreis des Migros-Kulturprozent-Wettbewerbs in Zürich ausgezeichnet. Von 2013 bis 2016 war sie Mitglied der Orchester-Akademie am Opernhaus Zürich. Zahlreiche Konzerte als Solistin (Klavierabende und Konzerte mit Orchester), als Kammermusikerin in verschiedenen Formationen sowie als Liedbegleiterin führten Kateryna Tereshchenko in die Ukraine, nach Deutschland, Polen, Tschechien, Italien, Österreich, Argentinien und in die Schweiz. Seit 2019 ist sie als Korrepetitorin (Bereich PreCollege Musik) an der Zürcher Hochschule der Künste angestellt. Daneben spielt sie an diversen Festivals und im Opernhaus Zürich als Solistin (The Cellist, Walkways) und in Brunchkonzerten.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025
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Mrs. Robinson

Choreografie von Cathy Marston

Von 5. September 2025 bis 14. September 2025

  • Weitere Informationen:
    Werkeinführung jeweils 45 Min. vor Vorstellungsbeginn.

Choreografie und Inszenierung:
Cathy Marston

Cathy Marston

Die international renommierte Choreografin Cathy Marston besitzt sowohl die britische als auch die schweizerische Staatsbürgerschaft. Seit August 2023 ist sie Direktorin des Balletts Zürich. Ihre Tanzausbildung erhielt sie in Cambridge und an der Royal Ballet School London. Zwischen 1994 und 1999 tanzte sie im Ballett Zürich, im Ballett des Luzerner Thea­ters und beim Konzert Theater Bern. Von 2002 bis 2006 war sie Asso­ciate Artist des Royal Opera House London und von 2007 bis 2013 Ballettdirektorin am Konzert Theater Bern. Seit Jahren höchst erfolgreich als freischaffende Choreografin tätig, wurde Cathy Marston von einer Vielzahl namhafter internationaler Compagnien und Institutionen eingeladen. Kreationen entstanden unter anderem für das Royal Ballet, das Hamburg Ballett, das Königlich Dänische Ballett, das English National Ballet, das Nor­thern Ballet, das Finnische Nationalballett, das Ballet Black, das National Ballet of Cuba sowie für die Opera Australia und die Hong Kong Academy of Performing Arts. In den letzten Jahren arbeitete sie vermehrt in den USA, so für das San Francisco Ballet, das American Ballet Theatre, das Houston Ballet und das Joffrey Ballet Chicago. In ihren choreografischen Arbeiten lässt sie grosse literarische Vorlagen im Tanz lebendig werden, ausserdem nähert sie sich bedeutenden historischen Persönlichkeiten auf ungewohnte und originelle Weise. Grosse Erfolge feierte sie mit ihren Ballettadaptionen Mrs. Robinson (nach Charles Webbs Roman The Graduate), Snowblind (nach Edith Whartons Roman Ethan Frome), Charlotte Brontës Jane Eyre und John Steinbecks Von Mäusen und Menschen. Ungewöhnliche Sichtweisen prägen auch ihre bio­grafisch inspirierten Werke The Cellist, Victoria und Hexenhatz. Für ihr choreografisches Schaffen wurde Cathy Marston mehrfach ausgezeichnet, darunter mit einem South Bank Sky Arts Award und dem britischen National Dance Award. 2020 verlieh ihr das International Institute for Dance and Theatre einen Preis für Exzellenz im internationalen Tanz. Höhepunkt ihrer ersten Saison als Zürcher Ballettdirektorin war 2024 die Uraufführung von Atonement nach dem gleichnamigen Roman von Ian McEwan (Koproduktion mit dem Joffrey Ballet). Ausserdem waren Cathy Marstons Stücke The Cellist und Snowblind zu sehen. Zuletzt hatte in Zürich ihr Clara-Schumann-Ballett Clara Premiere.

Clara13 / 14 / 19 / 20 / 26 / 28 Dez. 2025 / 11 / 12 / 17 / 19 / 24 Apr. 2026 Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025 The Butterfly Effect4 / 13 / 23 Apr. 2026 Romeo und Julia23 / 29 / 30 Mai / 4 / 6 / 7 / 10 / 12 / 14 / 23 / 26 Juni 2026
Szenarium:
Cathy Marston,

Cathy Marston

Die international renommierte Choreografin Cathy Marston besitzt sowohl die britische als auch die schweizerische Staatsbürgerschaft. Seit August 2023 ist sie Direktorin des Balletts Zürich. Ihre Tanzausbildung erhielt sie in Cambridge und an der Royal Ballet School London. Zwischen 1994 und 1999 tanzte sie im Ballett Zürich, im Ballett des Luzerner Thea­ters und beim Konzert Theater Bern. Von 2002 bis 2006 war sie Asso­ciate Artist des Royal Opera House London und von 2007 bis 2013 Ballettdirektorin am Konzert Theater Bern. Seit Jahren höchst erfolgreich als freischaffende Choreografin tätig, wurde Cathy Marston von einer Vielzahl namhafter internationaler Compagnien und Institutionen eingeladen. Kreationen entstanden unter anderem für das Royal Ballet, das Hamburg Ballett, das Königlich Dänische Ballett, das English National Ballet, das Nor­thern Ballet, das Finnische Nationalballett, das Ballet Black, das National Ballet of Cuba sowie für die Opera Australia und die Hong Kong Academy of Performing Arts. In den letzten Jahren arbeitete sie vermehrt in den USA, so für das San Francisco Ballet, das American Ballet Theatre, das Houston Ballet und das Joffrey Ballet Chicago. In ihren choreografischen Arbeiten lässt sie grosse literarische Vorlagen im Tanz lebendig werden, ausserdem nähert sie sich bedeutenden historischen Persönlichkeiten auf ungewohnte und originelle Weise. Grosse Erfolge feierte sie mit ihren Ballettadaptionen Mrs. Robinson (nach Charles Webbs Roman The Graduate), Snowblind (nach Edith Whartons Roman Ethan Frome), Charlotte Brontës Jane Eyre und John Steinbecks Von Mäusen und Menschen. Ungewöhnliche Sichtweisen prägen auch ihre bio­grafisch inspirierten Werke The Cellist, Victoria und Hexenhatz. Für ihr choreografisches Schaffen wurde Cathy Marston mehrfach ausgezeichnet, darunter mit einem South Bank Sky Arts Award und dem britischen National Dance Award. 2020 verlieh ihr das International Institute for Dance and Theatre einen Preis für Exzellenz im internationalen Tanz. Höhepunkt ihrer ersten Saison als Zürcher Ballettdirektorin war 2024 die Uraufführung von Atonement nach dem gleichnamigen Roman von Ian McEwan (Koproduktion mit dem Joffrey Ballet). Ausserdem waren Cathy Marstons Stücke The Cellist und Snowblind zu sehen. Zuletzt hatte in Zürich ihr Clara-Schumann-Ballett Clara Premiere.

Clara13 / 14 / 19 / 20 / 26 / 28 Dez. 2025 / 11 / 12 / 17 / 19 / 24 Apr. 2026 Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025 The Butterfly Effect4 / 13 / 23 Apr. 2026 Romeo und Julia23 / 29 / 30 Mai / 4 / 6 / 7 / 10 / 12 / 14 / 23 / 26 Juni 2026
Edward Kemp

Edward Kemp

Edward Kemp hat mit Cathy Marston bei über zwanzig Balletten zusammengearbeitet, da­run­ter sieben für das Bern Ballett. Zu den jüngs­ten Kooperationen gehören Sum­­mer & Smoke (Hou­ston/American Ballet Theatre), Of Mice and Men (Joff­rey), Mrs. Robinson (San Fran­cisco), The Cellist (Ro­yal Ballet), The Suit (Ballet Black), Lady Chat­ter­­ley’s Lover (Les Grands Ballets Canadiens de Montréal), Liaisons Dangereuses (Royal Danish Ballet) und ein Drehbuch für Disney +. Er hat Texte für Komponisten wie Sally Beamish, Victoria Bo­risova Ollas, Jason Carr, Tansy Davies, Terry Davies, Peter Eötvös, Stuart MacRae, Julian Philips und Gary Yershon verfasst.  Für die Büh­ne entstanden u. a. King James Bible (Na­tio­nal Theatre), The Mysteries (Royal Shakespeare Com­pany) sowie Dramatisierungen von Bulga­kows Meister und Margarita (Chichester/Com­plicite/Avignon), Lessings Nathan der Weise (Chichester/Off-Broadway/Shaw Festival) und Faulkners As I Lay Dying (Baton Rouge). Ausserdem übertrug er Werke von Brecht, Goldoni, Kleist, Lorca, Prokofjew, Molière, Racine und Sibelius und übersetzte Romane von Paul Auster, Eca De Queiros, Charles Dickens, Knut Hamsun, Ted Hughes, Salman Rushdie und WG Sebald. Er schrieb Dramen und Komödien für BBC Radio und führte Regie bei Theaterstücken und Musicals in Grossbritannien und in den USA, u. a. am National Theatre, Royal Court und Chichester, von Autoren von Gertrude Stein bis Shakespeare, Alan Bennett bis Stephen Sondheim. Von 2008 bis 2021 war er Direktor und Chief Executive der Royal Academy of Dramatic Art (RADA). Heute ist er Chief Executive des Royal Literary Fund, der ältesten literarischen Wohltätigkeitsorganisation Grossbritannien. 

Clara13 / 14 / 19 / 20 / 26 / 28 Dez. 2025 / 11 / 12 / 17 / 19 / 24 Apr. 2026 Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025 Romeo und Julia23 / 29 / 30 Mai / 4 / 6 / 7 / 10 / 12 / 14 / 23 / 26 Juni 2026
Musikalische Leitung:
Jonathan Lo

Jonathan Lo

Der in Hongkong geborene Brite Jonathan Lo ist Musikalischer Leiter des Northern Ballet, des Australian Ballet und der New Bristol Sinfonia sowie Staff Conductor des Royal Ballet, London. Von 2015-2019 war er Erster ständiger Gastdirigent des Xi’an Symphony Orchestra und musikalischer Leiter des Manchester Chamber Choir. Seine musikalische Ausbildung erhielt er an der University of Oxford und am Royal Northern College of Music. Anschliessend war er Mitglied des Jette Parker Young Artist Programme am ROH London und BBC Performing Arts Conducting Fellow beim Birmingham Royal Ballet und der Rambert Dance Company. Engagements führten ihn zu Orchestern wie dem BBC Philharmonic, London Sinfonietta, Manchester Camerata, Gabrieli Consort, Danish National Symphony Orchestra, Orchestra of the Royal Opera House und Royal Ballet Sinfonia. Sein Debüt am Royal Opera House London gab er mit dem dreiteiligen Ballettabend Within the Golden Hour / Medusa / Flight Pattern mit Choreografien von Christopher Wheeldon, Sidi Larbi Cherkaoui und Crystal Pite, welcher weltweit live übertragen und auf DVD aufgezeichnet wurde. Nachdem er beim Northern Ballet für die Uraufführung von Cathy Marstons Victoria gastiert hatte, wurde er dort als Musikalischer Leiter engagiert. Ausserdem arbeitet er regelmässig mit dem Dutch National Ballet und dem Scottish Ballet zusammen.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025
Musik:
Terry Davies
Bühnenbild und Kostüm:
Patrick Kinmonth

Patrick Kinmonth

Patrick Kinmonth arbeitet als Opernregisseur, als Bühnen- und Kostümbildner für Opern- und Ballettproduktionen sowie als Kurator, Publizist, Designer, Innenausstatter, Fotograf, Maler und Creative Director für die britische Vogue. Er schuf die Ausstattung für Produktionen an Opernhäusern in Amsterdam, Barcelona, Madrid, Brüssel, London, Venedig, Mailand, Wien und Köln sowie für die Festspiele in Aix-en-Provence. Er kuratierte zudem Ausstellungen für Museen wie die National Portrait Gallery in London, das Metropolitan Museum of Art New York und das Museum Thyssen-Bornemisza Madrid. Mit Robert Carsen verbindet ihn eine enge Zusammenarbeit, so zeichnet er u.a. für die Ausstattung von La traviata, Der Ring des Nibelungen, Jenůfa und Katja Kabanova verantwortlich. Als Regisseur inszenierte er zuletzt Die Gezeichneten und Tannhäuser an der Oper Köln und La clemenza di Tito am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Er arbeitet zudem eng mit den Choreografen Fernando Melo und Pontus Lidberg zusammen. Für sie schuf er die Ausstattungen für Ballettabende in Göteborg, am Gärtnerplatztheater in München, am Luzerner Theater, an der Semperoper Dresden, für das Griechische Nationalballett und das San Francisco Ballett. Zudem sind 2019 Arbeiten für das Ballet de Opéra national de Paris und das American Ballet Theatre at the Metropolitan Opera geplant.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025
Lichtgestaltung:
Jim French

Besetzung

Mrs. Robinson Yun-Su Park


Benjamin Braddock Lucas van Rensburg


Elaine Robinson Nehanda Péguillan


Mr. Robinson Karen Azatyan


Mrs. Braddock Shelby Williams


Mr. Braddock Joel Woellner

Mrs. Robinson Yun-Su Park


Benjamin Braddock Lucas van Rensburg


Elaine Robinson Nehanda Péguillan


Mr. Robinson Karen Azatyan


Mrs. Braddock Shelby Williams


Mr. Braddock Joel Woellner


Mrs. Robinson Nancy Osbaldeston


Benjamin Braddock Erik Kim


Elaine Robinson Ruka Nakagawa


Mr. Robinson Charles-Louis Yoshiyama


Mrs. Braddock Max Richter


Mr. Braddock Brandon Lawrence


Mrs. Robinson Nancy Osbaldeston


Benjamin Braddock Erik Kim


Elaine Robinson Ruka Nakagawa


Mr. Robinson Charles-Louis Yoshiyama


Mrs. Braddock Max Richter


Mr. Braddock Brandon Lawrence

Mrs. Robinson Yun-Su Park


Benjamin Braddock Lucas van Rensburg


Elaine Robinson Nehanda Péguillan


Mr. Robinson Karen Azatyan


Mrs. Braddock Shelby Williams


Mr. Braddock Joel Woellner

Nancy Osbaldeston

Nancy Osbaldeston hat die belgische und die britische Staatsbürgerschaft. Ihre Tanzausbildung absolvierte sie an der English National Ballet School in London. 2008 wurde sie ins English National Ballet aufgenommen, wo sie 2013 mit dem «Emerging Dance Award» ausgezeichnet wurde. 2014 wechselte sie als Halbsolistin an das Royal Ballet of Flanders, 2016 wurde sie dort zur Solistin und 2017 zur Ersten Solistin ernannt. Sie tanzte Hauptrollen in Choreografien von Yuri Grigorovich (Aegina in Spartacus), John Neumeier (Marie in Der Nussknacker), Akram Khan (Giselle), Kader Belarbi (Kitri in Don Quixote), Demis Volpi (Clara in Der Nussknacker), John Cranko (Olga in Onegin), Jean-Christophe Maillot (Marguerite in Faust), Pina Bausch (Café Müller) und Sidi Larbi Cherkaoui. Regelmässig war sie als Gast beim Bayerischen Staatsballett in München zu erleben. Seit der Saison 2024/25 ist sie Erste Solistin des Balletts Zürich.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025

Lucas van Rensburg

Lucas van Rensburg hat die deutsche und die italienische Staatsbürgerschaft. Er studierte an der Palucca-Schule in Dresden und trat schon während seines Studiums in mehreren Produktionen des Semperoper Balletts auf. Seit der Saison 2023/24 ist er Mitglied des Junior Balletts.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025

Erik Kim

Erik Kim stammt aus den USA. Seine Tanzausbildung absolvierte er an der University of North Carolina School of the Arts. Nach einem ersten Engagement am Ballet Nacional Sodre in Uruguay tanzte er von 2021 bis 2024 im Atlanta Ballet. U. a. war er in der Titelrolle von Yuri Possokhovs Nussknacker sowie in Choreografien von August Bournonville, Ben Stevenson, Cathy Marston, Kenneth MacMillan und Juliano Nunes zu erleben. Seit der Saison 2024/25 ist er Mitglied des Balletts Zürich.

Countertime7 / 14 Sept. 2025

Nehanda Péguillan

Nehanda Péguillan hat die französische und die südafrikanische Staatsbürgerschaft. Ihre Tanzausbildung erhielt sie in Johannesburg und am Pôle National Supérieur de Danse Rosella Hightower in Cannes. Im Cannes Jeune Ballet trat sie in Choreografien von Jean-Christophe Maillot, Carolyn Carlson und Thierry Malandin auf. Mit dem niederländischen De Theater BV tanzte sie 2023 im Stück Nureyev. Nach einer Saison im Junior Ballett ist sie seit der Spielzeit 2024/25 Mitglied des Balletts Zürich.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025

Ruka Nakagawa

Ruka Nakagawa kommt aus Japan. Sie absolvierte ihre Ballettausbildung beim Shimoda Harumi Ballet in Japan, an der Benedict Manniegel Ballett Akademie in München und an der Royal Ballett School in Antwerpen. Von 2017 bis 2023 tanzte sie beim Opera Ballet Vlanderen in Belgien. U. a. war sie als Giselle in Akram Khans Giselle, als Auserwählte in Pina Bauschs Le Sacre du printemps sowie in Choreografien von Ohad Naharin und Johan Inger zu erleben. Seit der Spielzeit 2023/24 ist sie Mitglied des Balletts Zürich.

Countertime7 / 14 Sept. 2025

Karen Azatyan

Karen Azatyan stammt aus Armenien. Ausgebildet am Yerevan Dancing Art State College und an der Tanz Akademie Zürich, war er 2005 Gewinner des Prix de Lausanne. Von 2007 bis 2014 war er Mitglied des Baye­ rischen Staatsballetts in München (Solist seit 2012). 2014 wechselte er als Erster Solist ans Hamburg Ballett, wo ihn bis zu dessen Abschied 2024 eine enge Zu­sammenarbeit mit John Neumeier verband. Er tanzte in Hauptrollen und Soli in vielen Neumeier - Balletten, u. a. in Illusionen – wie Schwanensee, Der Nussknacker, Ein Sommernachtstraum, Endstation Sehnsucht, Der Tod in Venedig, Peer Gynt, Romeo und Julia, Nijinsky, Liliom, Die Möwe, Winterreise, Matthäus-Passion, Das Lied von der Erde und Mahlers Dritter Sinfonie. In seinem Re­pertoire finden sich ausserdem Choreografien von Fre­derick Ashton, Nacho Duato, Mats Ek, William For­sythe, Jiří Kylián Marius Petipa, Jerome Robbins und Christopher Wheeldon. Ebenfalls in Hamburg war er in Cathy Marstons Jane Eyre als Rochester zu erleben. Seit der Saison 2024/25 ist Karen Azatyan Erster Solist des Balletts Zürich.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025

Charles-Louis Yoshiyama

Charles-Louis Yoshiyama hat die japanische und die französische Staatsbürgerschaft. Seine Tanzausbildung erhielt er am Trinity College in London und an der English Ballet School. 2007 wurde er Mitglied des Houston Ballet, 2016 wurde er zum Principal Dancer ernannt. Wichtige Rollen waren Kronprinz Rudolf in Mayerling und De Grieux in Manon von Kenneth MacMillan sowie Oberon in John Neumeiers Sommernachtstraum. Ausserdem tanzte er in L’Arlésienne von Roland Petit und zahlreichen Werken von George Balanchine. In Choreografien von Ben Stevenson verkörperte er Basilio (Don Quixote), Prinz Florimund (Sleeping Beauty), Franz (Coppélia), Mercutio (Romeo und Julia) und Prinz (Der Nussknacker). In Choreografien von Stanton Welch war er Siegfried (Schwanensee), Solar (La Bayadère) und Albrecht (Giselle). In John Crankos The Taming of the Shrew tanzte er Lucentio und Hortensio. 2023 war Charles-Louis Yoshiyama Principal Dancer des Oregon Ballet Theatre. Seit der Saison 2023/24 ist er Erster Solist des Balletts Zürich.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025

Shelby Williams

Shelby Williams hat die amerikanische und die italienische Staatsbürgerschaft. Sie studierte an der Houston Ballet Academy, an der Washington School of Ballet und am Dancer’s Workshop Baton Rouge (Louisiana, USA). Nach Engagements beim Semperoper Ballett, dem Corella Ballet und dem Ballet d’Europe war sie Solistin beim Ballett Mainz, beim Hessischen Staatsballett in Wiesbaden und von 2016 bis 2023 beim Royal Ballet of Flanders. Sie tanzte Pina/Malou in Café Müller von Pina Bausch, Rusalka in der gleichnamigen Choreografie von Alan Lucien Øyen, Myrtha in Akram Khans Giselle sowie weitere Hauptrollen in Choreografien von Martha Graham, Édouard Lock, Johan Inger, Sidi Larbi Cherkaoui, Andonis Foniadakis, Douglas Lee und Jermaine Spivey. Seit der Spielzeit 2023/24 ist Shelby Williams Mitglied des Balletts Zürich.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025

Max Richter

Max Richter stammt aus den USA und absolvierte die Ballettausbildung an der International City School of Ballet und beim Houston Ballet II. Bei der USA International Ballet Competition 2014 erhielt Max die Silbermedaille. Wichtige Rollen während des Engagaments beim Houston Ballet waren Angel in Cathy Marstons Summer and Smoke, Odette/Odile in Stanton Welchs Schwanensee sowie Solopartien in Balletten von Ben Stevenson, Arthur Pita und Aszure Barton. Seit der Saison 2023/24 ist Max Richter Mitglied des Balletts Zürich.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025

Joel Woellner

Joel Woellner ist Australier. Er absolvierte seine Ausbildung an der Ben Stevenson Academy des Houston Ballet und im Houston Ballet II. 2013 war er zweifacher Preisträger beim Prix de Lausanne. Nach einem Engagement im Houston Ballet war er von 2015 bis 2024 Erster Solist im Queensland Ballet. Joel Woellner tanzte Des Grieux in Manon von Kenneth MacMillan, Valmont in Dangerous Liasons von Liam Scarlett, Oberon in Scarletts Sommernachtstraum, Prinz Ivan in Scarletts Feuervogel sowie in Choreografien von Ben Stevenson, Harald Lander, Greg Horsman, Christopher Bruce und Jiří Kylián. Seit der Saison 2024/25 ist er Mitglied des Balletts Zürich.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025

Brandon Lawrence

Brandon Lawrence stammt aus Grossbritannien. Seine Ballettausbildung erhielt er an der Royal Ballet School. Er wurde mit dem Phyllis Bedells Award ausgezeichnet und war mehrfach als bester klassischer Tänzer bei den britischen National Dance Awards nominiert. Von 2011 bis 2023 tanzte er im Birmingham Royal Ballet, seit 2019 als Principal Dancer. Wichtige Rollen waren Prinz (Nussknacker), Franz (Coppélia), Prinz Florimund (Dornröschen), Prinz Siegfried (Schwanensee) in Choreografien von Peter Wright, Romeo in Kenneth MacMillans Romeo und Julia, Colas in Frederick Ashtons La Fille mal gardée, Prinz (Cinderella), Beast (The Beauty and the Beast), Albrecht (Giselle) und Otello (Shakespeare Suite) in Choreografien von David Bintley. Ausserdem war er in Stücken von Carlos Acosta, Edward Clug, Jiří Kylián, Juliano Nunes, Twyla Tharp und Uwe Scholz zu erleben. 2022 war er Principal Guest Artist beim Cape Town City Ballet. Seit der Saison 2023/24 ist Brandon Lawrence Erster Solist des Balletts Zürich und tanzte in Choreografien von Cathy Marston (Robbie in Atonement; The Cellist; Snowblind), Marco Goecke (Diaghilev in Nijinski), Wayne McGregor, Bronislava Nijinska, Mthuthuzeli November, Jerome Robbins und Christian Spuck.

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Colorful Darkness

Choreografie von Bryan Arias

Von 5. September 2025 bis 14. September 2025

  • Weitere Informationen:
    Werkeinführung jeweils 45 Min. vor Vorstellungsbeginn.

Choreografie:
Bryan Arias

Bryan Arias

Bryan Arias ist Pädagoge, Tänzer, Regisseur und Choreograf. Geboren in Puerto Rico und aufgewachsen in New York, entdeckte er schon in jungen Jahren seine Liebe zum Tanz. Inmitten der vielfältigen Tanzformen und -stile in New York entwickelte sich seine Leidenschaft für Ballett und modernen Tanz. Engagements führten ihn als Tänzer zum Nederlands Dans Theater (NDT) und zu Crystal Pites Compagnie «Kidd Pivot». Sein choreografischer Weg ist geprägt von einer tiefgreifenden Erforschung menschlicher Emotionen und des menschlichen Daseins. Seine Werke befassen sich mit Themen wie persönlicher Identität, Verletzlichkeit, Widerstandsfähigkeit und der komplizierten Dynamik menschlicher Beziehungen. Choreografien entstanden u.a. für das NDT, das Ballett Zürich, das Bolschoi-Ballett, das Scottish Ballet, die Paul Taylor Company, das Leipziger Ballett, das Nürnberger Ballett, das Ballett Basel, das Berner Ballett und das Ballett Luzern. An der Wiener Volksoper war Bryan Arias 2024 Co-Regisseur und Choreograf von Bernsteins West Side Story. U.a. wurde er mit dem deutschen Theaterpreis «Der Faust», dem Jacobs Pillow Fellowship Award und dem Princess Grace Choreography Award ausgezeichnet.

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Musikalische Leitung:
Jonathan Lo

Jonathan Lo

Der in Hongkong geborene Brite Jonathan Lo ist Musikalischer Leiter des Northern Ballet, des Australian Ballet und der New Bristol Sinfonia sowie Staff Conductor des Royal Ballet, London. Von 2015-2019 war er Erster ständiger Gastdirigent des Xi’an Symphony Orchestra und musikalischer Leiter des Manchester Chamber Choir. Seine musikalische Ausbildung erhielt er an der University of Oxford und am Royal Northern College of Music. Anschliessend war er Mitglied des Jette Parker Young Artist Programme am ROH London und BBC Performing Arts Conducting Fellow beim Birmingham Royal Ballet und der Rambert Dance Company. Engagements führten ihn zu Orchestern wie dem BBC Philharmonic, London Sinfonietta, Manchester Camerata, Gabrieli Consort, Danish National Symphony Orchestra, Orchestra of the Royal Opera House und Royal Ballet Sinfonia. Sein Debüt am Royal Opera House London gab er mit dem dreiteiligen Ballettabend Within the Golden Hour / Medusa / Flight Pattern mit Choreografien von Christopher Wheeldon, Sidi Larbi Cherkaoui und Crystal Pite, welcher weltweit live übertragen und auf DVD aufgezeichnet wurde. Nachdem er beim Northern Ballet für die Uraufführung von Cathy Marstons Victoria gastiert hatte, wurde er dort als Musikalischer Leiter engagiert. Ausserdem arbeitet er regelmässig mit dem Dutch National Ballet und dem Scottish Ballet zusammen.

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Musik:
Leonard Bernstein
Bühnenbild und Lichtgestaltung:
Lukas Marian

Lukas Marian

Lukas Marian ist ein Schweizer Lichtdesigner und Bühnenbildner. Er absolvierte seine Ausbildung zum Veranstaltungsmeister am Theater Basel. In dieser Zeit entstanden erste Arbeiten für das Ballett Basel unter der Leitung von Richard Wherlock. Seit 2020 ist Lukas Marian freischaffend tätig und mehrheitlich auf Tanzproduktionen spezialisiert. Er entwirft Konzepte für renommierte Choreografen wie Marcos Morau, Jo Strømgren oder Edouard Hue und ist fester Bestandteil der Kreativteams von Choreografen wie Bryan Arias, Alba Castillo, Frank Fannar Pedersen, Javier Rodríguez Cobos und Muhammed Kaltuk. Ausserdem ist Lukas Marian technischer Leiter der international agierenden Tanzkompanie «Snorkel Rabbit» und verantwortet bei diversen Tour-Produktionen im Musik- und Tanzbereich die technische Produktionsleitung. In den vergangenen Jahren entstanden zahlreiche Produktionen, u.a. für das Ballett Basel, das Ballett Zürich, das Bern Ballett, TanzLuzern, die Tanzkompanie St. Gallen, das Bolschoiballett, das Philadelphia Ballet, die Gibney Company, das Leipziger Ballett, das Ballett Nürnberg, das Stuttgarter Ballett, das Ballet de Genève, das Ballet  de l’Opéra national du Rhin und La Veronal.

Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025
Kostüme:
Bregje van Balen

Bregje van Balen

Bregje van Balen wurde im niederländischen Haarlem geboren und an der Nationalen Ballettakademie in Amsterdam zur Tänzerin ausgebildet. Achtzehn Jahre war sie Mitglied des Nederlands Dans Theaters. Schon während ihrer aktiven Zeit als Tänzerin war sie wiederholt als Kostümbildnerin tätig und absolvierte nach ihrem Abschied von der Bühne die Amsterdamer Baruch Fashion Academy. Sie entwarf Kostümbilder für Tanz und Theater, so u.a. für das Nederlands Dans Theater, das Norwegische Nationalballett, das Gothenburg Ballet, das Hamburg Ballett, Introdans, Aterballetto, das Győr Ballett, das Royal Swedish Ballet, das Royal Danish Ballet , das Bolschoitheater, das Stanislavski-Theater Moskau, die Opéra de Lyon, Les Grands Ballets Canadiennes, das Alvin Ailey Dance Theatre, das Staatstheater Mainz, das Theater am Gärtnerplatz und das Nationaltheater Mannheim. Dabei arbeitete sie mit Choreografen wie Patrick Delcroix, Jorma Elo, Medhi Walerski, Cathy Marston, Alexander Ekman, Johan Inger und Jo Strømgren zusammen.

Clara13 / 14 / 19 / 20 / 26 / 28 Dez. 2025 / 11 / 12 / 17 / 19 / 24 Apr. 2026 Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025
Dramaturgie:
Michael Küster

Michael Küster

Michael Küster stammt aus Wernigerode (Harz). Nach dem Studium der Germanistik, Kunst- und Sprechwissenschaft an der Universität Halle war er Moderator, Autor und Sprecher bei verschiedenen Rundfunkanstalten in Deutschland. Dort präsentierte er eine Vielzahl von Klassik-Programmen und Live-Übertragungen wichtiger Konzertereignisse, u. a. aus der Metropolitan Opera New York, der Semperoper Dresden und dem Leipziger Gewandhaus. Seit 2002 ist er Dramaturg am Opernhaus Zürich, u. a. für Regisseure wie Matthias Hartmann, David Alden, Robert Carsen, Moshe Leiser/ Patrice Caurier, Damiano Michieletto, David Pountney, Johannes Schaaf und Graham Vick. Als Dramaturg des Balletts Zürich arbeitete Michael Küster seit 2012 u. a. mit Cathy Marston, Marco Goecke, Marcos Morau, Edward Clug, Alexei Ratmansky, William Forsythe, Jiří Kylián und Hans van Manen, vor allem aber mit Christian Spuck zusammen (u. a. Romeo und Julia, Messa da Requiem, Winterreise, Dornröschen). An der Mailänder Scala war er Dramaturg für Matthias Hartmanns Operninszenierungen von Der Freischütz, Idomeneo und Pique Dame.

Oiseaux Rebelles12 / 18 / 23 / 25 / 31 Okt. / 1 / 9 / 13 Nov. / 2 / 5 / 6 / 9 Dez. 2025 Clara13 / 14 / 19 / 20 / 26 / 28 Dez. 2025 / 11 / 12 / 17 / 19 / 24 Apr. 2026 Countertime5 / 7 / 14 Sept. 2025 Timeframed17 / 18 / 22 / 25 / 30 Jan. / 1 / 4 / 6 / 8 / 11 / 12 Feb. 2026 The Butterfly Effect4 / 13 / 23 Apr. 2026 Messa da Requiem20 / 22 / 28 Feb. / 1 / 5 / 7 März / 6 Apr. 2026 Romeo und Julia23 / 29 / 30 Mai / 4 / 6 / 7 / 10 / 12 / 14 / 23 / 26 Juni 2026 Nachtträume20 / 25 / 28 / 30 Juni / 4 Juli 2026

Besetzung

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Kurzgefasst

Mit vielfältigen Bezügen taucht dieser dreiteilige Ballettabend in die Welt der 1950er- und 60er-Jahre ein.

Der aus Schottland stammende Kenneth MacMillan gehört zu den führenden Choreografen des 20. Jahrhunderts. Sein 1966 entstandenes Ballett «Concerto» zur Musik von Schostakowitschs zweitem Klavierkonzert wird als ein Stück reiner choreografischer Poesie gefeiert.

In Cathy Marstons Ballett «Mrs. Robinson» – nach dem Roman «The Graduate» von Charles Webb – lässt sich ein frisch diplomierter College-Absolvent mit der attraktiven Mrs. Robinson, einer verheirateten Frau aus dem Freundeskreis seiner Eltern, ein.

In den «Symphonic Dances» hat Leonard Bernstein die musikalischen Höhepunkte aus seinem Musical-Erfolg «West Side Story» zusammengestellt. Der auf Puerto Rico und in New York aufgewachsene Choreograf Bryan Arias findet seinen Zugang zu Bernsteins Musik im puerto-ricanischen Karneval.

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Trailer


Gut zu wissen

Kenneth McMillan – Klassiker und Rebell

Zwischen den Zeitgenossen Cathy Marston und Bryan Arias ist Kenneth Mac Millan der ehrwürdige Klassiker, keine Frage. Sein Concerto strahlt in neoklassischer Schönheit, mit einem lyrischen Pas de deux zwischen zwei Allegro-Sätzen voll klarer Linien. Der 1992 verstorbene Choreograf, der tatsächlich zum ersten Mal im Repertoire des Zürcher Balletts zu sehen ist, gilt heute als einer der Leuchttürme des modernen Handlungsballetts und, gemeinsam mit Frederick Ashton, als der grosse Bewahrer des britischen Balletterbes. Aber der Klassiker war eigentlich ein Rebell – als MacMillan 1970 zum Direktor des Royal Ballet in London ernannt wurde, da galt er eher als Aussenseiter, ihm wurde sogar vorgeworfen, das Ballett zu zerstören. Er brachte Sex, Tod und Psychosen ins klassische Ballett und veränderte auf seinem Weg vom «angry young man» zum «grand old man» das Genre ganz entscheidend, gewissermassen als der britische Spross der Nachkriegs- und Aufbruchsgeneration des modernen Balletts.

Im London der 1950er-Jahre kam niemand am Alleinherrscher Frederick Ashton vorbei, dem klassizistischen, feinsinnigen Chefchoreografen des Royal Ballet. Der junge Kenneth MacMillan war ein ausdrucksvoller, gross gewachsener Tänzer, aus einer armen schottischen Familie war er über ein Stipendium nach London gekommen und stand am Beginn einer schönen Karriere. Aber er litt unter extremer Bühnenangst und begann stattdessen, lieber selbst zu choreografieren. Bereits seine ersten kurzen Einakter hatten dunkle Themen: Er liess sich von Kafka und Anne Franks Tagebuch inspirieren, erzählte vom Missbrauch junger Mädchen. Im Schauspiel wurden zu dieser Zeit Werke von John Osborne oder Harold Pinter gezeigt, MacMillan war von der Nouvelle Vague aus Frankreich beeinflusst – und vom Bolschoi-Ballett, das damals zum ersten Mal in London gastierte und die hohen, athletischen Hebungen der sowjetischen Choreografen zeigte.

Kenneth MacMillans Freund John Cranko lud ihn nach Stuttgart ein, wo er wichtige Werke kreierte, bevor er 1966 für wenige Jahre Ballettdirektor der Deutschen Oper in West-Berlin wurde. Dort entstand Concerto als sein Antrittswerk. Der Pas de deux im zweiten Satz wurde durch das morgendliche Aufwärmen von Lynn Seymour inspiriert, die dramatische Ballerina war zur Muse des Choreografen geworden. Die Tänzerin hält sich an den Armen ihres Partners wie an einer Ballettstange, ihre Blicke treffen sich nur scheu zu Beginn und zum Ende ihres Duetts. MacMillan schuf das Werk auch, um sein neues Ensemble in einen klassisch-akademischen Gleichklang zu bringen; die weite Architektur und die sensible Musikalität, mit der er auf jazzige Synkopen in Dmitri Schostakowitschs Partitur reagierte oder zu den Marschrhythmen geometrisch perfekte Tänzer-Phalanxen auf die Bühne schickte, sorgten für einen spontanen Erfolg.

1970 kehrte der Choreograf ausgepowert und krank nach London zurück. MacMillan war kein glücklicher Mensch, er galt als einsam und depressiv, fühlte sich unsicher in seiner Arbeit. Seine gequälte Seele spiegelt sich in vielen seiner Werke, er brachte Themen ins klassische Ballett, die man dort nie gesehen hatte. Das Misstrauen gegen die hübschen, harmlosen Ballettmärchen war ein Zeichen der Zeit, auch andere jüngere Choreografen wie Maurice Béjart, Jerome Robbins oder Hans van Manen wollten lieber die Gegenwart und reale Menschen zeigen. Manche Motive ziehen sich beharrlich durch Mac Millans gesamtes Œuvre: körperliche Gewalt und Vergewaltigungen, die dysfunktionale Familie wie in Mayerling, jenem Drama über den Selbstmord des Thronfolgers Rudolf. Letztlich faszinierte ihn der Tod, den nicht nur viele seiner Protagonist:innen auf der Bühne erleiden, sondern dem er drei grosse, ergreifende Werke zu Vokalmusik widmete, damals noch eine ungewöhnliche Wahl für den Tanz. Das Lied von der Erde zeigt zu Gustav Mahlers Liederzyklus die Vergänglichkeit des Lebens vor der ewigen Natur, zu Gabriel Faurés Requiem klagt MacMillan den Tod mit wütendem Fäusteschütteln an, Gloria erinnert an die Toten des Ersten Weltkriegs. Er vertanzte Anton Tschechow und Georg Büchners Woyzeck, wurde neben Cranko zu einem der prägenden Meister des Literaturballetts.

MacMillans bleibende Klassiker sind seine Fassung von Sergej Prokofjews Romeo und Julia, noch immer die meistgetanzte Version in England und den USA, und die Kurtisanen-Geschichte Manon nach dem Roman des Abbé Prévost, mit einer Musik aus Werken von Jules Massenet. Mit Der Pagodenprinz erzählte er tatsächlich doch noch ein Märchen, kurz darauf entwarf er in The Judas Tree einen besonders brutale Szenerie. Neben seinen grossen, begehrten Ballerinenrollen schuf MacMillan auch unglaublich anspruchsvolle Parts für männliche Tänzer. Er veränderte den Pas de deux vollkommen, machte ihn stürmischer, gewagter, kraftvoller und komplizierter. Er brach die schönen Linien, legte manchmal explizite sexuelle Anspielungen oder auch rohe Gewalt in die Verschlingungen zweier Körper. Genau wie John Cranko ersetzte er die traditionelle Ballettpantomime durch eine natürlich fliessende Erzählsprache des gesamten Körpers. Zur apollinischen Klarheit des Balletts, für die Frederick Ashton bis dahin in London stand (und die MacMillan, siehe Concerto, ebenfalls beherrschte), kamen dionysische Exzesse, dieser Choreograf zeigte neben dem Schönen auch das Hässliche.

Nicht nur als Dramaturg und Erzähler machte Kenneth MacMillan das klassische Ballett expressiver, sondern vor allem als Bewegungsfinder, der jeden Tanzschritt, jede Berührung zweier Menschen, jeden Blick mit Emotion auflud. Der Choreograf starb selbst einen tragischen Tod: Im Alter von nur 62 Jahren brach er während des letzten Aktes von Mayerling hinter der Bühne des Royal Opera House zusammen. Ein erschüttertes Publikum verliess das Haus in Stille.

Dieser Artikel ist erschienen in MAG 122, April 2025.

Mrs. Robinson, Sie versuchen mich zu verführen!

Eigentlich müsste dieser Benjamin Braddock vor Freude strahlen: Mit exzellentem College-Abschluss fliegt der junge Mann heim zu seinen Eltern nach Kalifornien. Der Vorspann des Films zeigt ihn, wie er auf dem Flughafen ein Laufband betritt. Während links die Credits eingeblendet werden, sieht man Benjamin in der rechten Bildhälfte fast zwei Minuten die geflieste Wand entlangfahren, mit ratlosem, beinahe gequältem Blick. Zuhause, vor dem Aquarium im alten Kinderzimmer, versucht er gegenüber seinem Vater, das eigene Unbehagen in Worte zu fassen.

Mit Benjamin Braddock kommt die Jugend der 1960er-Jahre in Hollywood an – jene Kinder der Nachkriegszeit, die mit den Werten ihrer Eltern immer weniger anfangen können. Sie wollen etwas anderes vom Leben als ein Spiesserglück in der Vorstadtsiedlung, verachten die Prüderie, Heuchelei und Doppelmoral der amerikanischen Gesellschaft. Es ist unübersehbar: Die Zeiten haben sich geändert.

1967, während der Dreharbeiten zur Reifeprüfung, rufen Hippies in San Francisco den «Summer of Love» aus. Martin Luther Kings Bürgerrechtsbewegung fordert auf gewaltigen Protestmärschen die Gleichberechtigung der Schwarzen. Immer mehr Frauen wehren sich gegen Benachteiligung oder Sexismus. Und weil der schmutzige Krieg in Vietnam zunehmend eskaliert, erreichen auch die Anti-Kriegsdemonstrationen ihren Höhepunkt.

Von all dem hatte Hollywood bis dahin nur wenig Notiz genommen. Die Studios, in ihrem verzweifelten Kampf gegen die Konkurrenz des Fernsehens versuchten lange, ihr Geschäft mit immer spektakuläreren Monumentalfilmen zu retten. Dass diese Strategie nicht auf Dauer funktionieren würde, zeigte sich spätestens 1963, als die Twentieth Century Fox mit Cleopatra, dem bis dahin teuersten Film überhaupt, an den Rand des Ruins geriet. Wen interessierten schon die Träume Cleopatras, wenn in den Städten Strassenschlachten toben und Universitätsgelände von Tränengas - Schwaden durchzogen sind? Doch allmählich näherte sich die Traumfabrik dem amerikanischen Alltag: Ausgerechnet mit Cleopatra-Skandalpaar Liz Taylor und Richard Burton drehte Regie-Neuling Mike Nichols 1966 einen der erfolgreichsten Filme des Jahres. Schonungslos deckte er in Wer hat Angst vor Virginia Woolf die Lebenslügen hinter bürgerlichen Fassaden auf. Als Sohn einer jüdischen Familie in Berlin geboren, musste er 1938 mit seinen Eltern vor dem Holocaust fliehen. In den USA wurde er zunächst ein erfolgreicher Comedian, bevor er sich anschickte, Hollywood zu erobern.

Die Reifeprüfung ist Nichols’ zweiter Film, und hier legt er die Gesellschaftskritik als Satire an. Wenn Benjamin auf der Willkommensparty von den Freunden seiner Eltern bedrängt wird, erscheinen die Vorstadtspiesser wie Figuren aus dem Horrorkabinett. Vampire, die dem jungen Mann die Lebenskraft aussaugen wollen. Völlig verstörend wird es für Ben, als ihm die Gattin des Geschäftspartners seines Vaters eindeutige Avancen macht.

Nichols Reifeprüfung markiert zusammen mit dem Gangsterfilm Bonnie and Clyde den Beginn des «New Hollywood», eines neuen amerikanischen Kinos. Auch wenn der zwei Jahre später herauskommende Easy Rider noch radikaler mit der Traumfabrik bricht, zeigt sich bereits hier eine völlig andere Art des Erzählens. Die Vorlage zum Film schrieb Charles Webb 1963 nach eigenen Erlebnissen. Im Buch ist Benjamin Braddock ein blonder, hochgewachsener Surfer-Typ. Robert Redford gilt lange als die Idealbesetzung. Beim Casting kamen Nichols allerdings Zweifel, ob Redford überhaupt einen Verlierertypen spielen könne. Auf die Frage, wann ihn zuletzt eine Frau habe abblitzen lassen, antwortet Redford verständnislos: «Was meinst du damit?»

Auch für Mrs. Robinson sind zahlreiche Kandidatinnen im Gespräch, darunter Doris Day, der das Skript allerdings zu heikel erscheint. Für Elaine, Mrs. Robinsons Tochter, werden unter anderem Goldie Hawn und Jane Fonda getestet. Den Zuschlag bekommt die kaum bekannte Katherine Ross, für die es die Rolle ihres Lebens wird. Das grösste Problem bleibt allerdings die Besetzung der Hauptfigur. Nichols war verzweifelt. Er hatte alle englischsprachigen Schauspieler dieser Altersklasse gesehen und war immer noch auf der Suche nach einem laufenden Surfbrett, einem blonden kalifornischen Typen: «Aber dann erinnerte er sich an diesen Jungen, den ich in einer Off-Broadway-Produktion gesehen hatte. Ich glaube, er hat da einen Fischverkäufer gespielt. Ich schlug vor, ihn einzuladen und zu testen.»

Dieser Junge ist das genaue Gegenteil des laufenden Surfbretts: klein, dunkelhaarig und mit seiner riesigen Nase nicht besonders attraktiv. Bisher hat Dustin Hoffman nur eine unbedeutende Filmrolle gespielt. Der 29-Jährige hält sich seit Jahren mühsam als Theaterschauspieler über Wasser. Als Nichols ihn anruft und ihm den Part des Benjamin Braddock anbietet, glaubt Hoffman zunächst an einen schlechten Witz. Beim Casting ist der junge Schauspieler so aufgeregt, dass ihn alle für völlig unfähig halten. Nichols nimmt ihn trotzdem – und landet damit einen Volltreffer: Gerade Hoffmans Schüchternheit und Nervosität machen ihn perfekt für die Rolle des linkischen Ben.

Hoffman ist eine ganze neue Art von Kino-Held: Keiner der stattlichen, gutaussehenden Herzensbrecher, die bisher in der Traumfabrik gestrahlt haben. Er wirkt eher wie ein Normalo, mit dem sich die jungen Leute aus den Städten identifizieren können. Ausserdem verfügt er über eine erstaunliche Leinwand-Präsenz. «Er war nicht nur sehr gut während des Drehs, er war auf den Aufnahmen noch viel besser», erinnert sich Mike Nichols. «Er ist einer der wenigen Leute, mit denen ich gearbeitet habe, die eine Art Pakt mit Technicolor geschlossen haben, sodass sie über Nacht durch die Chemikalien besser werden. Deshalb musste es Dustin sein.»

Weil Hoffman so jungenhaft wirkt, kann er problemlos den 21-jährigen Ben spielen, obwohl er selbst fast 30 ist und seine Kollegin Anne Bancroft nur sechs Jahre älter. Mit ihr hat Nichols ebenfalls die ideale Besetzung gefunden: Als kühle, frustrierte Mrs. Robinson verführt sie Benjamin mit einer Skrupellosigkeit, die es in Hollywood noch nicht gegeben hatte.

Für die 60er-Jahre ist der Film überaus gewagt: Dass eine verheiratete Frau Sex mit einem deutlich jüngeren Mann hat – und das ohne jedes Gefühl, als Zeitvertreib gegen die Langeweile, wirkt im prüden Amerika geradezu schockierend. Noch skandalöser ist, dass sich Benjamin dann auch in die Tochter seiner Bettgenossin verliebt. Im Kampf um Elaine erwacht er aus seiner Lethargie und mausert sich zum Rebellen.

Nichols hat die Geschichte so originell umgesetzt, dass Die Reifeprüfung bis heute ein Lieblingsobjekt in Film-Seminaren ist. Der Regisseur und sein Kameramann Robert Surtees übernehmen Stilmittel des jungen europäischen Kinos. So bleibt die Kamera Ben immer dicht auf den Fersen, wenn er durch die Party stolpert oder an seinem Geburtstag im Taucheranzug in den Swimmingpool steigen muss. Mit ihm blicken wir durch die Taucher-Brille auf die verzerrten Gesichter der Erwachsenen.

Durch raffinierte Schnitte und Überblendungen verschmelzen Szenen am Pool mit den Schäferstündchen im Hotelzimmer – bis sich Ben am Ende an der Luftmatratze hochzieht und auf der nackten Mrs. Robinson landet.

Legendär ist auch die Einstellung, in der Mrs. Robinson ihre Strümpfe anzieht, wobei ihre Beine wie eine Schranke vor Benjamin durchs Bild ragen, als würden sie ihm den Weg ins Leben versperren. Diese Beine gehören übrigens nicht Anne Bancroft, sondern ihrem Double Linda Gray, die später als Sue Ellen in Dallas berühmt wird. Beim Musikeinsatz im Film geht Mike Nichols ebenfalls ganz neue Wege: Er benutzt die Folk-Rock-Songs des Duos Simon & Garfunkel, um Dialoge zu ersetzen, seine Charaktere zu verstärken und sie den jungen Zuschauern noch näher zu bringen.

Nichols braucht allerdings viel Überredungskunst, bis sein Freund Paul Simon zur Zusammenarbeit bereit ist. Der Komponist fürchtet um seinen Ruf, weil Filmmusik zu dieser Zeit keinen sonderlich hohen Stellenwert hat. Drei der Songs gab es bereits auf Platten, den vierten hatte Paul Simon zunächst als Hommage an Eleanor Roosevelt gedacht. Er ersetzt Mrs. Roosevelt durch Mrs. Robinson, und weil ihm so recht kein Text einfällt, singt das Duo die meiste Zeit: «Dipdidipdidip…»

Einen kompletten Text bekommt Mrs. Robinson erst, als die Leute in langen Schlangen vor den Kinos stehen. Die Reifeprüfung wird Kult: Bei Produktionskosten von nur drei Millionen Dollar spielt der Film bereits in den ersten sechs Monaten 35 Millionen in den USA und Kanada ein. Zusätzliches Geld fliesst in die Kasse, weil Nichols zum ersten Mal mit Produktplatzierung arbeitet: Bens roter Alfa Romeo Spider hat eine markante Rolle im Film. In Deutschland kommt Die Reifeprüfung 1968 ins Kino und trifft auch hier den Geist der Zeit – obwohl Benjamin Braddock alles andere als ein Barrikadenstürmer ist.

Während seine Altersgenossen lange Haare tragen und sich mit der Polizei prügeln, ist Bens Aufbegehren rein privat. Nichols muss sich an Universitäten immer wieder den Vorwurf anhören, dass der Vietnamkrieg im Film nicht vorkommt. Bens Ratlosigkeit und sein Unbehagen machen ihn dennoch zum ersten Helden des neuen amerikanischen Kinos. Viele Jugendliche erkennen sich in ihm wieder. Die New York Times zitiert einen von unzähligen Leserbriefen: «Ich habe mich mit Ben identifiziert. Für mich ist er ein Bruder im Geiste. Er hat Zweifel über seine Zukunft und seinen Platz in der Welt, genau wie ich.»

Die Reifeprüfung wird für sieben Oscars nominiert. Hoffman geht bei der Verleihung zwar leer aus, doch Mike Nichols gewinnt die Trophäe für die beste Regie. Er war der Mann der Stunde in Hollywood. Doch schon mit seinem nächsten Film, der Anti-Kriegs-Satire Catch 22, landet Nichols einen gewaltigen Flop. Im «New Hollywood», das mit Regisseuren wie Scorsese oder Coppola erst richtig Fahrt aufnimmt, spielt er keine grosse Rolle mehr. Für Dustin Hoffman wird Die Reifeprüfung auch ohne Oscar zum Auftakt einer grandiosen Karriere.

Unvergesslich ist auch das Ende des Films: Ben entführt Elaine aus den Armen ihres Bräutigams und flüchtet mit ihr in einen Bus. Lachend sitzen sie auf der letzten Bank: Sie im Brautkleid mit Schleier, er in einer vom Kampf halb heruntergezogenen Jacke. Doch allmählich werden ihre Gesichter ernst, und mit Sound of Silence tauchen auch Bens Zweifel wieder auf. Ob diese Flucht wirklich ein Happy End ist, bleibt irritierend offen.

Dieser Artikel ist erschienen in MAG 122, April 2025.

Nancy Osbaldeston

Für ein Städtchen von nur 3500 Einwohnern hat Cuckfield, den Kuckuck im Wappen tragend und sechs englische Meilen von der Kanalküste entfernt, erstaunlich viele «notable people» zu verzeichnen. Romanciers, Theologen, Schauspieler, Wissenschaftler, Sportler. Der Jüngste auf der Liste ist ein Cricketspieler, die Zweitjüngste eine Tänzerin. Die kam hier zur Welt und in einen Kindergarten, in dem sich jeden Freitag eine Ballettlehrerin einfand. Nancy, erklärte sie den Eltern der Dreijährigen, sei das einzige Kind, das wirklich exakt im Takt der Musik hüpfe. Was sie davon hielten, wenn sie Unterricht bekäme? «I think I loved it from the beginning», sagt Nancy Osbaldeston, seit dem vergangenen August Erste Solistin im Ballett Zürich.

Wir sitzen in einem kleinen Garderobenraum des Opernhauses, der weder an Südengland denken lässt noch ans Ballett, wenn man mal vom Klavier absieht und den Spiegeln, die in Nancys Metier keine geringe Rolle spielen, und ich prüfe besorgt die Distanz zwischen Aufnahmegerät und Tänzerin. Was nämlich in ihrem Metier gar nicht gebraucht wird, ist eine laute Stimme, wobei immerhin, wie ich noch lernen werde, längst auch Tänzerinnen auf der Bühne Töne, Worte, Geräusche von sich geben dürfen. Ein einziges Mal wird Nancy Osbaldeston laut in dieser Stunde, aber Worte verwendet sie dabei nicht. Jetzt brauche ich erstmal Nachhilfeunterricht in Sachen Tanz, und den erteilt sie mit leiser Stimme und in hohem Tempo. Sie hat viel zu sagen, zuallererst über William Forsythe, den legendären amerikanischen Choreografen, in dessen In the middle, somewhat elevated Nancy ein grosses Solo hat. «Es ist ein ikonischer Klassiker, ein Traum für Tänzer, ich liebe es. So lange her, 1987, und immer noch so gut. Er hat eigentlich kein Thema. Es ist einfach nur Tanz, purer Tanz, dancing at hardest: Wie weit kann man gehen?» «Ist das das Gegenteil eines Handlungsballetts?» «Ja und nein. Selbst wenn ein Stück keine Story hat, findest du manchmal eine, Beziehungen, Verbindungen. Schon wenn sich zwei Personen die Hände reichen, ist da eine Art Dynamik.»

Es komme auch darauf an, mit wem sie tanzt. Mit dem einen Partner könne etwas anderes entstehen als am nächsten Abend mit dem anderen. «Very minimally, but I ’ll feel the difference, ich weiss nicht, ob es dem Publikum auch so geht, wahrscheinlich ja. Und selbst mit nur einer Person kann eine Geschichte entstehen, je nachdem, wie ich einen Rhythmus interpretiere oder bestimmte Dinge akzentuiere. Vielleicht kommt da die Geschichte meiner Persönlichkeit zum Vorschein?» Sie lacht. Es wäre die Geschichte einer ziemlich entschlossenen Persönlichkeit, für die es nie einen Plan B gab. «It was always dancing. Didn’t matter how.» In Manchester, wohin die Familie zog, als Nancy fünf Jahre alt war, tanzte sie in der Schule und lernte auf Wochenendkursen, mit sechzehn bewarb sie sich an verschiedenen Tanzschulen, wobei klassisches Ballett nur eine von vielen Optionen war. «Ich wollte nur tanzen, egal was und wo, es hätte auch auf einem Kreuzfahrtschiff sein können!»

Es wurde aber die English National Ballet School in London, und nach drei Jahren dort wurde Nancy am English National Ballet engagiert. Aus ihrer Zeit dort habe ich ein Interview gefunden. «Was habe ich gesagt? Wer war ich da?» Sie war 24 Jahre alt, als man sie fragte, wie sie sich die Zeit nach dem Tanzen vorstelle. «Ich höre nicht auf», sagte sie. «Ich eröffne eine Compagnie für alte Tanzpensionäre, damit ich noch auftreten kann, wenn ich Grossmutter bin.» Sie lacht, die Idee gefällt ihr immer noch. «Ich weiss, dass ich immer tanzen werde, ob das nun gut aussieht oder nicht.» Schon 2013 sah es so gut aus, dass Nancy den Emerging Dancer Award bekam; ein Jahr später wechselte sie zum Opera Ballet Vlaanderen nach Antwerpen, um dort acht Jahre zu bleiben.

Dem Lockdown verdankt man ihre erste grössere choreografische Arbeit. Libertango zur Musik von Astor Piazzolla ging online und beeindruckte auch die Süddeutsche Zeitung: «Der Mix wird auch Tango-Aficionados überzeugen, die zunächst geneigt sind, den gemeinsamen Auftritt von Spitzenschuh und Bandoneon für Ketzerei zu halten», schrieb Dorion Weickmann. Nancy meint, es sei einfach, Piazzolla zu choreografieren: «Diese Musik bittet uns geradezu, sie zu tanzen!» Das geht ihr nicht mit jeder Musik so. «Ich bin kein massiver Fan dieser Avantgardesorte von…» Es folgt ein verblüffend lautes Miauen, dann fährt sie dezent fort: «Aber man kann sich auch da hineinbewegen.» Auch auf Spitzenschuhen, die für Nancy keineswegs Attribute von gestern sind.

Das klassische Ballett, ohne «pointe shoes» nicht denkbar, ist ihre Basis. «Ich hatte auch mal Gesangsstunden und vergleiche es damit. Wenn du Singen in Richtung Oper und Klassik trainiert hast, kannst du in alle Richtungen gehen, bis zum Jazz. Wenn du die Regeln kennst, kannst du sie brechen. Je mehr man kennt, desto mehr kann man verbinden. Ich kann mit verschiedenen Körperlichkeiten, physicalities, spielen, mit verschiedenen Stilen, sie wie aus einer Werkzeugkiste nehmen… Es gibt zum Beispiel so viele Arten, die Arme zu bewegen!» Sie wirft sich in eine Angeberpose, die Arme angewinkelt, die Fäuste geballt. «Aber es geht nicht nur um Posen, Formen, Haltungen, es geht darum, wie man durch sie hindurchfliesst, das muss man auch lernen. Wie ein Tänzer zu einer bestimmten Haltung hinkommt und was ihr folgt, ist wichtig!» Das gilt für alle Arten von Tanz, und natürlich tanzt Nancy auch ohne Spitzenschuhe, wenn es gefragt ist – und an manchen Abenden auch mit und ohne, wie in der neuen Produktion Countertime. «Es ist genau umgekehrt wie in Autographs, wo wir die Spitzenschuhe am Schluss einsetzen, bei Forsythe. Jetzt beginnen wir ziemlich klassisch mit MacMillan und brechen das dann auf.»

Was hinter so einer Aufführung steht, ist einer der härtesten Jobs, die es in der Theaterwelt gibt. Jeden Vormittag wird trainiert, «wir müssen immer in Topform sein». Dieser «class» folgen sechs Stunden Proben mit einer Stunde Pause dazwischen, sofern keine Aufführung ansteht – und selbst der Tag nach einer Aufführung hat so ein volles Programm. «Das ist schon ziemlich hart», meint Nancy, «es geht nur, wenn man diesen Job liebt. Man muss ihn sehr lieben. In einem schon nicht mehr vernünftigen Mass…» Der Auftritt selbst ist dann erst recht beglückend. «Keine Unterbrechung mehr, keine Wiederholung! The show is just…», sie klatscht in die Hände, «one time! Now or never!»

Der harte Job, die strenge Hierarchie in der Gruppe ist auch mit viel Solidarität verbunden. «Ich bin ja ein bisschen älter», sagt die 35-Jährige ohne Koketterie, «und helfe den anderen gern. Aber jeder braucht Hilfe. Ich habe die hässliche Angewohnheit, dass ich dauernd in den Spiegel gucke, wenn ich tanze. Das hilft oft gar nicht, auf der Bühne gibt es ja keinen Spiegel. Es sieht auch komisch aus, den Kopf beim Tanzen so zu verdrehen. Wir brauchen immer jemanden, der uns beobachtet, ein zweites Auge.» Dabei helfen ihr auch Kolleginnen und Kollegen, die sie schon aus Antwerpen und London kennt: Ruka Nakagawa, Shelby Williams, Esteban Berlanga, Charles-Louis Yoshiyama. «It’s a small world…»

Ja, und dann ist da ihre Tochter. Sie kam vor drei Jahren in Belgien zur Welt, zog mit ihren Eltern für zwei Jahre nach Toulouse und schliesslich mit ihnen nach Zürich. «Wenn ich nach Hause komme, holt sie meinen Geist komplett aus dem Arbeitsalltag heraus. Das ist sehr gesund. Manchmal fühle ich mich schuldig, weil ich so viel arbeite, aber das geht ja nicht ewig so. Ich hoffe, sie erinnert sich später nur an die guten Seiten.» Zum Beispiel an gestern, als die Dreijährige ein Kostüm anzog und zur Musik tanzte, die ihre Eltern anstellten. «Wie sie die Musik interpretiert… it’s natural,» sagt Nancy, «it’s so natural!»

Das Gespräch führte Volker Hagedorn.
Dieser Artikel ist erschienen in MAG 122, April 2025.